Segelfliegen - kein Sport für Einzelgänger

Kameradschaft und Teamgeist bringen einen Segelflieger in die Luft. Segelflugzeuge fliegen lautlos ohne Motor und brauchen nur Starthilfe per Seilwinde oder Flugzeugschlepp. Das Geschick des Piloten, Aufwinde in der Ebene oder an Berghängen zu finden und die von der Gleitzahl abhängende Geschwindigkeit bestimmen die Dauer eines Fluges und die zurückgelegte Entfernung.
Der Weltrekord liegt zur Zeit bei 3000 km (Klaus Ohlmann am 21.01.2003).Mit über 170 Mitgliedern ist der Segelflug die größte Sparte beim LSC. Für den Nachwuchs ist dabei bestens gesorgt: mehr als 50 Flugschüler befinden sich jährlich in der Ausbildung. Zahlreiche internationale und nationale Titel und Platzierungen sind ein Beleg für den hohen Ausbildungsstandard des Vereins.
Von Leverkusen aus wurden schon Flüge von über 900 km ohne Motorkraft zurückgelegt. Der Flugplatz ist anerkannter Landes-Leistungs-Stützpunkt für den Segelflug. Organisierter Segelflug findet an Wochenenden von März bis Oktober statt, nach Absprache ist Flugbetrieb auch an anderen Tagen und im Winter möglich.
Jährlich finden in Leverkusen ca. 4000 Starts und Landungen mit Segelflugzeugen statt und es werden ca. 1500 Stunden geflogen. 20 Segelfluglehrer stehen für die komplette Ausbildung zur Verfügung. Sie dauert etwa zwei Jahre und kostet ca.1.800 EUR. Jährlich findet in den Osterferien ein Anfängerlehrgang statt, an dem ca. 15 Nachwuchspiloten ab einem Alter von 14 Jahren teilnehmen. Nach vier Wochen sind die meisten erstmals allein geflogen. Die Privatpilotenlizenz für Segelflugzeuge (PPL C) kann ab einem Alter von 17 Jahren erworben werden.
Weitere Fliegerlehrgänge bzw. Wettbewerbe sind das Sommerlager für Schüler in den Sommerferien, das traditionelle Hangfliegen am Ith in den Herbstferien, ein Streckenflugseminar, das traditionelle Seniorenfliegen in Radevormwald und verschiedene regionale Vergleichsfliegen.
Nach Absprache findet auch ein Segelkunstfluglehrgang statt. Hat einen dann die eigentliche Faszination des Segelfliegens gepackt, nämlich die Streckensegelfliegerei, legt sich jeder Streckenflugpilot in der Saison auf ein Flugzeugmuster fest, um auf hohem Niveau fliegerisch professionell, sicher und erfolgreich zu werden.
Häufige Fragen zum Segelfliegen

1. Gibt es Luftlöcher?
Nein! In der Luft gibt es lediglich Strömungen, die nach oben gehen, also aufsteigen, und Strömungen, die nach unten gehen. Warme Luft steigt nach oben, und kalte sinkt nach unten. Diese Bewegungen können je nach Temperaturunterschied und weiteren Einflüssen sehr groß werden und man wird im Flugzeug - auch in großen Maschinen - ganz schön durchgeschüttelt. Segelflieger nutzen die warmen aufsteigenden Strömungen um Höhe zu tanken.

2. Braucht man Wind zum fliegen?
Viele Leute denken, dass wir Wind zum fliegen brauchen. FALSCH! Wir brauchen die Thermik, also aufsteigende Luftströme, die uns in größere Höhen tragen. Starker Wind ist sogar schädlich, weil wir uns ja innerhalb der Luft bewegen und damit "weggepustet" werden. Außerdem zerstört starker Wind die Thermik, weil er sie verwirbelt und wir den Aufwind dann nicht nutzen können.

3. Wie hoch kann man fliegen?
Dies hängt zum einen vom Luftraum ab, in dem man sich befindet. Ist ein großer Flughafen in der Nähe, so dürfen wir nicht so hoch fliegen, weil die großen Linienflugzeuge uns schlecht wahrnehmen können und so die Gefahr eines Zusammenstoßes sehr groß ist. Daher gibt es Lufträume, in die Flugzeuge nur mit bestimmten Ausrüstungen (Transponder) rein dürfen. Über unserem Flugplatz dürfen wir bis zu 700m hoch, ist kein Flughafen in der Nähe, so darf man sogar auf 3000m hoch. In den Alpen liegen die Flughöhen bis zu 6000m, wobei man bei einer solch großen Höhe Sauerstoff mitnehmen muss. Zum anderen spielt die Thermik eine große Rolle: Hängen die Wolken viel tiefer als man fliegen dürfte, so darf man nicht in die Wolken fliegen. Reicht die Thermik nur bis z:B. 1000m, dann können wir auch nicht höher fliegen...

4. Wie lang kann man fliegen?
In der Regel gibt es Thermik im Sommer zwischen 11:00 Uhr und 19:00 Uhr. So lange, wie man Thermik hat und oben bleiben kann, darf man auch fliegen. Allerdings maximal nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Fliegt man mit einem Segelflugzeug eine große Strecke, braucht man auch eine solch lange Zeit von 8 oder mehr Stunden. Die Entfernungen, die bei einem solchen Streckenflug zurückgelegt werden, liegen von Leverkusen aus zwischen 50km und 1000km, wobei jüngst ein neuer Rekord von 3000km ( in den Anden / Südamerika) aufgestellt wurde!

5. Was ist der Sport am Segelflug?
Über diese Frage lässt sich streiten, denn einige denken, dass im Flugzeug sitzen und herumzufliegen gar kein Sport ist. Doch genau wie beim Motorsport, wo die Fahrer auch nur in ihren Autos sitzen, kann man beim Segelfliegen auch möglichst große Leistungen erbringen. Man versucht also, möglichst große Strecken zu fliegen, und das ohne einen einzigen Tropfen Benzin! Der Pilot muss hierzu während des Fluges sehr viele Entscheidungen treffen, wann, wie schnell und wohin er fliegt. Auch der Denksport kommt beim Segelflug nicht zu kurz.

6. Wie schnell fliegt man?
Die Geschwindigkeit eines Segelflugzeuges liegt meist in dem Bereich, wie ein Auto auf der Autobahn fährt, also zwischen 100 und 200km/h. Kreist man in der Thermik, so fliegt man noch langsamer, bis zu 70km/h. Will man dagegen schnell vorwärts kommen, so sind unsere Flugzeuge teilweise bis zu Geschwindigkeiten von 300km/h zugelassen. Allerdings gilt die Regel: je schneller man fliegt, desto schneller geht Höhe verloren, die man sich mühsam wieder in der Thermik erarbeiten muss.

7. Ist fliegen gefährlich?
Grundsätzlich NEIN, aber wie bei jedem Sport gibt es Gefahren, die man durch sorgsames und umsichtiges Verhalten minimieren kann. Wir tragen z.B. immer einen Rettungsfallschirm, damit wir, z.B. im unwahrscheinlichen Falle einer Kollision in der Luft, abspringen können. Die meisten Unfälle passieren auch nur in extremen Situationen, z.B. Kollisionen bei Wettbewerben oder in der Gebirgsfliegerei. Unfälle in der Schulung sind selten. Grundsätzlich gilt: Wir haben zwar keinen Motor an Bord, aber dieser kann dann auch nicht ausfallen.

8. Ist fliegen schwer?Fliegen ist wie Fahrrad- oder Autofahren - wenn man es einmal gelernt hat, dann beherrscht man es. Da wir keinen Motor dabei haben, dürfen Jugendliche ab 17 sogar schon verantwortlicher Luftfahrzeugführer sein - den Pilotenschein gibt's also vorm Führerschein. Das wirkliche Können beim Fliegen äußert sich mehr durch die geflogenen Kilometer und die Zahl der Flugstunden.

9. Wie startet ein Flugzeug?
Bei uns am Flugplatz starten wir mit einer Seilwinde, die das Flugzeug an einem Kunststoffseil mit 5mm Durchmesser und ca. 1000m Länge beschleunigt und auf ca. 400m Höhe bringt, oder wir werden von einem Motorflugzeug in die Höhe gezogen.

10. Wie teuer ist Segelfliegen?Das teuerste am Fliegen ist die Zeit, die man in den Verein investiert. Grob gesagt kostet eine Ausbildung bei uns ca. 1.800 Euro und dauert ca. zwei Jahre. Segelfliegen ist vielleicht keine billige, aber eine preiswerte Sportart.

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